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 Ebersteiner Hochzeit

Die interessanten Hochzeiten der Ebersteiner

Teil I. Die Verkaufte Braut von 1523

Teil II. Die freuchtfröhliche Hochzeit von 1544

Die verkaufte Braut: Politischer Druck der Habsburger führte im Juli 1523 zur Vermählung der Elisabeth von Eberstein mit dem von seinen  Zeitgenossen als “windig” angesehenen Geschäftsmann Gabriel von Salamanca

In der Grafschaft Eberstein spricht man von einer skandalösen Hochzeit.

Eine im Kunsthistorischen Muesum in Wien aufbewahrte, 1533 geprägte Medaille zeigt das Profil eines Mannes mit scharf geschnittenen Gesichtszügen, gepflegter Barttracht und elegantem Barett: Gabriel von Salamanca, Graf von Ortenburg (1489-1539).* Er heiratete am 27. Juli 1523 Elisabeth von Eberstein, eine Schwester des Gernsbacher Reformators Wilhelm IV.

Elisabeth war möglicherweise erst 14, höchstens 19 Jahre, der Bräutigam 34 Jahre alt. Die Verbindung war für die Ebersteiner nicht standesgemäß. Von vielen Zeitgenossen wurde sie sogar als skandalös betrachtet. Salamanca war oberster Schatzmeister und Berater von Erzherzog Ferdinand von Österreich, dem Bruder des Habsburgers Karl V., König von Spanien und Kaiser im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Man munkelte, die Ehe sei durch Erpressung zustande gekommen. Die aufwändige Hochzeit konnte nach allgemeiner Vorstellung nur von Ferdinand und dem berüchtigten Augsburger Handelshaus Fugger bezahlt worden sein - also mit dem Schweiß und Blut der ausgebeuteten Untertanen. Salamanca war einer der meistgehassten Männer im Reich.

Um 1490 geboren, entstammte Gabriel von Salamanca einer bürgerlichen, reichen Kaufmannsfamilie jüdischen Ursprungs aus dem spanischen Burgos. Mit dem 14 Jahre jüngeren Ferdinand, der als Enkel König Ferdinands von Aragon in Spanien geboren und dort erzogen wurde, verband ihn von Jugend an eine enge Beziehung. Ferdinand wurde 1521 Herr über Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol und die Habsburgischen Vorlande I(Südelsass, Ortenau, Breisgau, Nordschweiz).

Seinen Vertrauten Salamanca wollte er in seiner Nähe behalten und ihm daher eine gute deutsche Partie verschaffen. Es bestand nämlich die Gefahr, dass sich der Spanier sonst anderswo verheiraten würde. Bernhard von Eberstein mit seinen zehn Töchtern kam dem Habsburger da gerade recht. Er zahlte sogar 1500 Gulden für die “Gutwilligkeit” der Braut, die wohl mit viel Zureden dazu gebracht werden musste, den Standesunterschied hinzunehmen. Der Brautvater kam dagegen um eine Mitgiftzahlung herum - bei der ewigen Geldknappheit der Ebersteiner eher eine Ersparnis als eine Erpressung! Materiell hatte Elisabeth sicher ein glänzendes Los gezogen. Nach einer Aufstellung Salamancas vom 21. Januar 1524 zählten die Bediensteten seines Haushalts 24 Personen. Ein persönlicher Kammerdiener, eine Hofmeisterin und zwei “Jungfrawen” standen ausschließlich der Schatzmeistersgattin zur Verfügung. Daneben gab es Kämmerer, Küchenmeister, Kellermeister, Eseltreiber, Silberkämmerer, Koch, Stallmeister, Kaplan, Lakaien, “zwei Türken” und Bewaffnete. Salamanca erwarb ausgedehnten Grundbesitz im Niederösterreich, Tirol, Kärnten und im Elsass, daneben Häuser in Innsbruck und Wien. 1524 verlieh ihm Ferdinand die Herrschaft Ortenburg (bei Spittal in Kärnten, Österreich) und den Titel eines Grafen von Ortenburg. Der Spanier tat dem Habsburger wertvolle Dienste: Er reduzierte zum Nachteil vieler Gläubiger die ungeheure Schuldenlast, finanzierte aber den enormen Geldbedarf des Fürsten mit Hilfe der Fugger, die immer mehr Gewinn besonders aus Tirol und seinen Bergwerken herausschlugen. “Wenn man den Salamanca finge und den Fugger hinge”, hieß es damals. 1526 musste Ferdinand dem öffentlichen Druck nachgeben und seinen Schatzmeister entlassen. Als Berater nahm er ihn aber weiterhin in Anspruch.

Salamanca war bei seinen Finanztransaktionen sicher nicht zimperlich und hat dabei auch an sich gedacht. Der enorme, unrechtmäßig erworbene Reichtum, der ihm nachgesagt wurde, ist allerdings eine Legende. Sein schlechtes Bild rührte auch daher, dass er vielen zu selbstbewusst und abweisend, ja sogar arrogant vorkam, was dem gängigen Voruteil der Deutschen vom hochfahrenden, “stolzen” Spanier entsprach. Allerdings wird er von ausländischen Diplomaten ganz anders, nämlich als höflich, geistvoll, angenehm im Äußeren und sehr fleißig beschrieben. So lernte ihn wahrscheinlich auch Bernhard III. von Eberstein kennen - als einen Schwiegersohn, dem es zwar an Adel fehlte, der aber Vorzüge aufwies, die bei einheimischen Bewerbern eher selten waren, und der zudem noch enge Verbindungen zum Kaiserhaus hatte. Elisabeth gebar ihrem Mann drei Söhne und zwei Töchter. Um 1530 muss sie gestorben sein, da Gabriel von Salamanca 1533 eine zweite Ehe mit Elisabeth von Baden-Durlach einging. In seinem Testament von 1539 erwähnte er auch seine erste Frau und sorgte für alle Kinder bestens vor. Auch der Bruder seiner verstorbenen Frau, Bernhard IV. von Eberstein, Domherr in Straßburg, erhielt ein Legat.

* Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett, Inv.-Nr. 14.383 bb

(C. Zorn)

     

Die Ebersteiner Hochzeit von 1544

Zimmerische Chronik überliefert ein buntes Sittengemälde des südwestdeutschen Adels in der Renaissance.
Niemand kommt nüchtern davon.

„Es war domals uf Eberstain ein kleine, aber fröliche hochzeit.“ So berichtet die Zimmerische Chronik über die Vermählung von Graf Froben Christoph von Zimmern mit Kunigunde von Eberstein 1544 und lässt über den feuchtfröhlichen Charakter der Veranstaltung keinen Zweifel aufkommen: „Man sagt gewöhnlich, man solle auf den Hochzeiten und Heimführungen voll sein, und so war es auch.“ Die Schilderung ist authentisch, sie wurde vom Bräutigam persönlich verfasst. Seine Familienchronik überliefert ein farbenfrohes Sittengemälde des südwestdeutschen Adels im Zeitalter der Renaissance.

Hauptthema der um 1566 niedergeschriebenen Chronik ist eigentlich die Geschichte der im oberschwäbischen Messkirch beheimateten Grafen von Zimmern. Ihr Verfasser, Graf Froben Christoph von Zimmern (1519-1567), beschränkte sich aber nicht auf die historischen Fakten, sondern flocht darüber hinaus eine Fülle von persönlichen Erinnerungen, Familienklatsch und Anekdoten ein. So erfährt der Leser auch einige pikante Details über Anbahnung und Ablauf der Ebersteiner Hochzeit von 1544.

Zunächst einmal zögerte der Bräutigam lange bei der Brautwahl, bis schließlich sein Verwandter Jos Niklas von Zollern die Initiative ergriff. Der hatte bald „auch mit den Weibern soviel verhandelt, dass ein Frölin von Eberstain ins Spiel kam“. Gemeint war Kunigunde, die 16-jährige Tochter des Gernsbacher Reformators Wilhelm IV. von Eberstein (Grabdenkmal in der Gernsbacher St. Jakobskirche). Das Aushandeln des Ehevertrags war Sache der Familien, die Brautleute kannten sich offenbar nicht. Graf Froben ritt jedenfalls erst kurz vor der endgültigen Heiratsvereinbarung im Februar ins Murgtal, um „das Frölin von Eberstain zu besehen und sich auch sehen zu lassen“. Bei dieser Brautschau machte er keine gute Figur. Er musste einen altmodischen Mantel seines Vaters auftragen, der ihm viel zu lang und zu weit war. Die Chronik bemerkt, er habe ausgesehen wie ein Frisörkittel. Die Hochzeit wurde auf den Montag nach dem zweiten Sonntag nach Ostern angesetzt. Graf Froben, sein Vater, sein Onkel und etliche weitere Verwandte mit Gefolge kamen aus Messkirch. Die Reise ging über Altensteig. Dort erkrankte Frobens Cousine ernsthaft, wurde aber von seinem Vater durch „seltsame Sprüche“ so aufgeheitert, dass sie sich wieder „gesund lachte“. Nach einem im Sattel eingenommenen Suppenfrühstück („nach der gesatleten suppen“) ging es weiter. Nach einer Weile kam der Wirt aus Altensteig hinterhergelaufen, da jemand aus der Gesellschaft das Bezahlen vergessen hatte. Kurz vor dem Ziel gingen vorübergehend die zwei Maulesel mit der Festtagsgarnitur des Bräutigams verloren, da der Eseltreiber sich schon am frühen Morgen „vollgesoffen“ hatte.

Auf dem Schloss wurden die Gäste von den Ebersteinern empfangen. Über seine Braut verliert Graf Froben kein Wort. Dafür rühmt er deren ältere Schwester Amalia  als „fürwahr ein wohlerzogenes und verständiges Frölin“, das nur leider „lungensüchtig“ gewesen sei. Nach dem offiziellen Teil lud Graf Hans Jacob von Eberstein, der Bruder des Brautvaters, die ganze Gesellschaft in sein Haus nach Gernsbach ein. „Do ward den Gästen nach deutschem Brauch dermaßen zugesprochen, dass niemand nüchtern davon kam.“ Der Bräutigam wurde „also zugedeckt, dass er, als man am selben Abend wiederum nach Eberstein kam, beim Tanz wie ein Block umfiel“. Man befürchtete eine ernste Erkrankung, aber am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass es nur die „Weinkrankheit“ war. Widerstandsfähiger zeigte sich Frobens Bruder, der so lange trank, bis er nicht mehr konnte und feststellte, nun habe er aber „ein rechts Pörzle“, womit er einen „Rausch“ meinte. Von Sonntagabend bis Donnerstag währte das Fest. Trotz exzessivem Alkoholgenuss tagte aber nebenbei noch der Familienrat. Die Grafen Wilhelm von Eberstein und Johann Werner von Zimmern verabredeten, Frobens Bruder eine gut dotierte Domherrenpfründe in Straßburg zu verschaffen. Und auch Kunigunde war - trotz aller „Weinkrankheit“ - schon bald schwanger. Sechs Monate nach der Hochzeit wurde sie daher von Eltern und Geschwistern zu ihrem Mann „heimgeführt“, der inzwischen allein nach Messkirch zurückgekehrt war. Das Ehepaar bekam acht Töchter und einen Sohn. Mit ihm starb die männliche Linie der Grafen von Zimmern 1594 aus.

(C. Zorn)

 

© Cornelia Renger-Zorn 1999-2017
letzte Aktualisierung: 05.05.2017

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