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 Der Wachtelbrunnen

Der Grafensturz am Wachtelbrunnen.
Neuer Fund am Schlossberg beleuchtet den historischen Kern der Sage.

Vor kurzem sorgte ein Fund am Ebersteiner Schlossberg für eine kleine Sensation: Mitglieder des Schwarzwaldvereins suchten nach der einstigen Wasserversorgung des versiegten so genannten Wachtelbrunnens und stießen dabei weiter oben am Hang auf eine vom Wildwuchs verborgene Brunnenstube aus dem 16. Jahrhundert. Dieser Fund erlaubt eine neue Interpretation der Sage um den Wachtelbrunnen und zeigt, wo der „echte“, von der historischen Überlieferung angesprochene Brunnen tatsächlich lag.

Die um 1564 verfasste Zimmerische Chronik berichtet, besonders nachts sei der Ort um den Brunnen „nit geheuer“ und die Grafen würden es dann vermeiden, „daselbs fürzureiten oder zu wandlen“. Der Chronist, Graf Froben Christoph von Zimmern, kannte sich auf Eberstein gut aus, da er mit Kunigunde, der Tochter Wilhelms IV. (Grabmal in der Gernsbacher St. Jakobskirche) verheiratet war. Am „Wachtelbronnen“, so erzählt er, gehe der böse Geist des Adam von Rosenstein um, der dort zu Lebzeiten einen unrechtmäßig an sich gebrachten Schatz vergraben habe und daher an der Quelle als Gespenst herumspuken müsse.

Mit diesem angeblichen Spuk bringt Froben Christoph ein Unglück in Verbindung, das offensichtlich ein tatsächliches Geschehen widerspiegelt. „Graf Wilhelm von Eberstain hat eins morgens, als es noch dunkel gewesen, ein greusenlichen Fall daselbs mit eim Pferdt gethon, uf etlich Klafter hoch hinab, dass es verwunderlich ist, wie er am Leben hat können bleiben. Jedoch ist er und das Ross unbeschediget darvon kommen.“ Dieser Unfall kann schwerlich auf dem Weg passiert sein, der an dem vertrockneten Brunnen vorbeiführt, der heute durch ein Schild als „Wachtelbrunnen“ ausgewiesen ist. Der Abhang ist an dieser Stelle so tief, dass ein Reiter ins Bodenlose fiele. Die Wiederentdeckung der Brunnenstube erlaubt eine neue Sicht des Geschehens.

Der Unfall könnte sich folgendermaßen zugetragen haben: Wilhelm IV. ritt den Weg von der Burg in Richtung Gernsbach hinunter. Dieser Weg deckt sich in seinem oberen Teil mit der heutigen Straße. Oberhalb der Brunnenstube kam sein Pferd ins Straucheln, beide stürzten den Hang hinunter und kamen „einige Klafter“ tiefer zum Halten. Ein Klafter maß um 1,70 Meter, der Brunnen liegt mindestens sechs Meter unterhalb der Straße. Der ebene Vorplatz vor dem Eingang zur Quelle war geeignet, den Sturz abzubremsen.

Dieser nun wieder freigelegte Vorplatz war auch als lauschiges Plätzchen beliebt. Die Herrschaft habe dort, so Froben Christoph, „vil kurzweil“ gehabt und  im Sommer auch gern dort zu Abend gegessen. Die sorgfältig gemeißelte Jahreszahl 1545 auf dem Türsturz des Brunnenhäuschens zeigt, dass Wilhelm IV. der Bauherr war. Wie andere Baumaßnahmen zeigen, legte er Wert auf eine gute Versorgung mit Frischwasser. Den Eingang zur Brunnenstube ließ er, wie Vertiefungen im Sandstein und eine passgenaue Rahmenbearbeitung nahelegen, sogar mit einer verschließbaren Tür sichern. Da Neueberstein in seiner Regierungszeit nie bedroht war, konnte er auf die Quelle außerhalb der Burg zurückgreifen, deren Wasserqualität noch im 19. Jahrhundert gelobt wurde. Vielleicht stürzte er ja sogar nach einem ausgedehnten Zechgelage, bei dem er befreundeten Adligen die neue Wasserversorgung vorführte, auf dem Heimweg in den frühen Morgenstunden? Dafür spräche, dass er, wie sein Schwiegersohn berichtet, später augenzwinkernd die Schuld auf „das Gespenst“ schob.

Auch wenn wir den genauen Hergang nicht mehr herausfinden werden, ist doch eines klar: Der durch die Sage bekannte „Wachtelbronnen“ ist die neu freigelegte Quelle, nicht der früher durch sie gespeiste Brunnen weiter unten. Das zeigen auch die Erwähnungen in der Literatur. 1820 vermerkte der aus Thüringen stammende Friedrich  Gottschalck in seinem Sammelwerk „Die Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands“:  „Nahe an dem Schlosse … ward vor einiger Zeit der sogenannte Wachtelbrunnen wieder entdeckt, welcher ganz in Felsen gehauen ist, und sehr gutes Wasser liefert. Im Jahre 1805 ward er hergestellt, und seitdem ist er wieder benutzbar.“ Heinrich Langenbach beschrieb die Brunnenstube noch 1929 in seinem „Führer durch das Schloss Eberstein“, beklagte aber, sie sei vernachlässigt und nur noch wenigen bekannt.

Wachtelbr.18
Wachtelbr.2.1
Wachtelbr.13

© Cornelia Renger-Zorn 1999-2017
letzte Aktualisierung: 01.01.2017

Der neu entdeckte Wachtelbrunnen mit einigen “mittelalterlichen” Requisiten.

Schön zu sehen: die Überlaufrinne, durch die das Quellwasser, früher unter der genau eingepassten Holztüre, aus dem Brunnenhaus abfließt.

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