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Albertina Sophia Esther, die „letzte Rose von Eberstein“

Als Graf Casimir von Eberstein im Dezember 1660 im Alter von 21 Jahren in Heidelberg starb, richteten sich viele Blicke auf Schloss Gochsheim, seine Residenz im Kraichgau, denn seine Witwe war schwanger. Als am 20. Mai 1661 Albertina Sophia Esther zur Welt kam, war klar: Das Geschlecht der Ebersteiner war im Mannesstamm ausgestorben. Bis dato hatten die Grafen die Religionsfreiheit ihrer evangelischen Untertanen in Gernsbach, Scheuern und Staufenberg gegen die katholischen Markgrafen verteidigt. Jetzt trat der ehemalige Lehnsherr der Ebersteiner, der Fürstbischof von Speyer, in die Herrschaft ein, was die Lage der Protestanten erheblich verschlechterte.

Wer war diese Albertina Sophia Esther, die allein aufgrund ihres Geschlechts das weitere Schicksal von Gernsbach so gravierend beeinflusste? Auskunft gibt uns die am 26. Mai 1728 von ihrem Beichtvater Johann Christian Sparr in der evangelischen Pfarrkirche von Gochsheim gehaltene Leichenpredigt. Über große Strecken liest sie sich wie eine typische Lobrede auf eine barocke Fürstin, bei der viele der erwähnten positiven Eigenschaften, darunter Frömmigkeit und Fürsorge für die Untertanen, zum Standard-Repertoire gehörten. Daneben findet man aber auch Einzelheiten, die offenbar ganz individuelle Züge und Lebensumstände der Verstorbenen widerspiegeln. Nach einer behüteten Jugend und der üblichen Erziehung einer Adligen (Religionsunterricht, Lesen, Schreiben, Handarbeit) heiratete Albertina Sophia Esther 1679 Herzog Friedrich August von Württemberg-Neuenstadt, den Angehörigen einer Nebenlinie des Hauses Württemberg mit Sitz in Neuenstadt am Kocher. Der Bräutigam trug den Titel Herzog und stand im Rang über seiner Braut, die durch diese Heirat zur Fürstin aufstieg. Die 37 Jahre währende Ehe wird als sehr harmonisch geschildert, obwohl das Paar viel Unglück zu erleiden hatte. Von 14 Kindern kamen vier tot zur Welt, sieben starben wenige Tage oder Monate nach der Geburt. Nur drei Töchter erreichten das Erwachsenenalter. Die Herzogin habe außerdem, so Pfarrer Sparr, ihre Kinder mit „solchen außerordentlichen Geburths-Schmertzen gebähren müssen, dergleichen viele 100 ja 1000 Gebährerinnen nicht erfahren“.

Das Fürstenpaar lebte die meiste Zeit in Gochsheim, 1716 starb Friedrich August nach einer Kur in dem damals renommierten Badeort Zaisenhausen (zwischen Bretten und Eppingen) an der Ruhr. Weitere Schicksalsschläge suchten die Herzogin heim, darunter auch langwierige Krankheiten und schwere Depressionen. Offenbar rettete sie sich durch all diese Prüfungen durch einen sehr starken Glauben und ihre Liebe zum Kirchengesang. Besonders gerne sang sie das 1715 entstandene „Gott will’s machen, dass die Sachen, geh’n wie’s gut und heilsam ist“, ein noch heute beliebtes Kirchenlied mit Ohrwurm-Qualität.

Bis zu ihrem Tod 1729 lebte Albertina Sophia Esther mit ihren beiden jüngeren Töchtern in Gochsheim. 1729 litt sie unter „Engbrüstigkeit“, man fürchtete einen Schlaganfall. Daher wollte sie mit ihren Töchtern eine Kur in Schlangenbad im Taunus machen und vorher zu einem Besuch bei ihrer Cousine Maria Christina von Nassau-Weilburg auf Schloss Weilburg vorbeischauen. Die Abreise war für den 24. Mai geplant. Albertina Sophia Esther wachte morgens um halb vier Uhr auf und verrichtete ihre Morgenandacht. Darauf nahm sie „ein par Tassen Caffée mit gutem Appetit“ und wollte sich zur Abreise fertig machen. Plötzlich stellte sich Atemnot ein, Aderlässe und Medikamente der herbeigerufenen Ärzte halfen nichts mehr. Noch vor sechs Uhr morgens schlief sie „höchst seeligst“ ein. „Die teuerste Fürstin ist als letzte Rose am Hochgräflich-Ebersteinischen Rosenstock abgefallen“, formulierte Pfarrer Sparr bildhaft. Von Albertina Sophia Esther existiert ein zeitgenössisches Gemälde. Es ist die einzige naturgetreue Abbildung eines Mitglieds des Hauses Eberstein überhaupt. Über Augusta Sophia, die älteste Tochter der Albertina Sophia Esther, gelangte dieses Bild in den Besitz der Fürsten von Hohenlohe-Oehringen, wo es sich heute noch befindet.

Albertina Sophia Esther

Copyright: Kraft Fürst zu Hohenlohe-Oehringen 2016

© Cornelia Renger-Zorn 1999-2020
letzte Aktualisierung: 3. April 2020

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