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Was macht einer, den Geschichte fasziniert und der herausfinden möchte, wie es wirklich gewesen ist oder zumindest gewesen sein könnte?
Er liest viele dicke Wälzer, wühlt in Akten und staubigen Archiven, grübelt und überlegt, strengt seine Phantasie an, stellt sich die handelnden Personen vor und ... schreibt ein Drama!
So erging es mir - im Jahr 1997. Da wohnten wir schon fünf Jahre in Gernsbach, diesem Städtchen im Nordschwarzwald mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und dem gemütlichen Flair. Aber zur Heimat war es mir immer noch nicht geworden. Das sollte sich, so hatte ich eines Tages beschlossen, radikal ändern. Ein von den Stadtvätern initiierter Arbeitskreis mit der eher öde klingenden Vorgabe “Vorbereitung der Veranstaltungen zum 150sten Jahrestag der Revolution 1998/99” sollte der Einstieg sein. Und was ich nie geträumt hätte, trat ein: Ich wurde schlaflos in Gernsbach! Die Geschichte hatte mich gepackt und lies mich die nächsten drei Jahre nicht mehr los!
Und warum gerade ein Drama? Ganz einfach: Dieses fabelhafte Gernsbach hatte nicht nur eine faszinierende Historie, sondern auch - inmitten einer wildromantischen Naturkulisse - eine junge Freilichtbühne theater im kurpark, die sich seit 1992 einen festen Platz im Herzen eines immer größer werdenden Publikums erobert hatte! Was lag da näher, als die Bürger ihre eigene Geschichte im Theater miterleben zu lassen? |
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Und so geriet ich als gespielter Autor in die erlauchte Gesellschaft von Friedrich Schiller und William Shakespeare! Eine sozusagen einmalige Erfahrung, die mich dann auch gleich (zumindest in den Augen der Stadtväter) qualifizierte, das Drehbuch für das Freiheitsspektakulum 1999 zu schreiben. Es wurde unter Beteiligung eines Großteils der Einwohner von der örtlichen Freilichtbühne und einem Regisseur der Bühne Ötigheim in Szene gesetzt und ging in die Annalen der Stadtgeschichte ein. Ja, was soll ich noch sagen? Wer sich für Geschichte interessiert und einmal angefangen hat, historische Zusammenhänge in dieser Form zu beleuchten - der kann nur noch schwer davon lassen (auch wenn er nicht gespielt wird). Es macht zuviel Vergnügen und ist einfach zu spannend!
Im Laufe der Zeit entstanden weitere Dramen und kleinere Theaterstücke. 1999 habe ich angefangen, mit einer Gruppe von Mitbürgern/innen jeweils am Altstadtfest im September kleine Historienspiele aufzuführen: ein Kern historischer Wahrheit, verpackt in frechen Reimen und Versen und serviert mit einem Schuss Klamauk!
So entwickelte sich der Gernsbacher Historienstadel. |
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Freilichtspektakel um die Klingelkapelle Gernsbach
2007 und 2011 |
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Kleine Historie des “Gernsbacher Historienstadels” |
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Revolutions-Stammtisch. Gernsbach 1849 - 1999. (Freiheitsfest Juni 1999) |
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Projekt des Gernsbacher Historienstadels seit 2012:
Animierte Stadtrundgänge “Mittelalter in Gernsbach” |
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Seit 2021: Rundgang des Nachtwächters mit Szenen aus der Geschichte |
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Drama um Simon Weinzürn in Meersburg gespielt jährlich von 2007 bis 2019
beim Mittelaltermarkt im Oktober
von der Mittelaltergruppe “Autumnus Medievalis”
Flyer zu Simon Weinzürn
Der Mordfall Caspar Hauser gespielt 2007 von der Theater AG des Katholischen Mädchengymnasiums Ulm
Gespielt von der Theater AG des Traus Gymnasiums, Juni 2009
Josef Oppenheimer gespielt 2018 von Schülern der Rudolf-Steiner-Schule München-Schwabing
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Mordsstimmung im “Goldenen Bock” am Stadtbuckel: Alles wartet fieberhaft auf die Rückkehr der Gernsbacher Delegierten von der großen Volksversammlung in Offenburg am 12./13. Mai 1849. Als der Gernsbacher Bürger Gustav Wallraff mit einem bereits gedrucktem Exemplar der Offenburger Forderungen zurückkehrt und den gespannten Zuhörern im “Goldenen Bock” von der Erhebung des Volkes zu Offenburg berichtet, gibt es kein Halten mehr. Kurz darauf bricht in Gernsbach die Revolution aus! |
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Theater in Kurpark tik Gernsbach 2009
Wilhelm Tell - streng nach Schiller. Und doch einmal ganz anders!
Ist das nicht ein Widerspruch?
Nein! Denn der Dichter wollte etwas zum Ausdruck bringen, das zu allen Zeiten und an allen Orten, wo Menschen zusammen leben, Gültigkeit hat! Nicht nur in der Schweiz.
In der Schweiz spielt die Handlung, weil Schiller dort eine interessante Dramenvorlage fand und weil die Schweiz damals ein beliebtes Reiseland und ein brandheißes politisches Thema war! Schiller wusste: Die Schweiz als Schauplatz würde seine Zuschauer begeistern!
Das tut sie heute noch, die Schweiz! Und deshalb belässt die Aufführung des theaters im kurpark die Handlung auch dort. Das gewohnte Lokalkolorit bleibt gewahrt, wenn auch mit überraschenden Mitteln. Der Vierwaldstättersee, das Rütli, die Alpenwelt der Berge mit ihren schroffen Felsschründen, grünen Almwiesen und den hart arbeitenden, unbeugsamen, stolzen Bergbewohnern - all das ersteht vor den Augen der Zuschauer und um sie herum, in sparsamen und strengen, eindringlich-zwingenden Bildern, denen man sich nur schwer entziehen kann.
Gleichzeitig erlebt das Publikum, auf einer zweiten Ebene des Spiels, noch etwas Ungewohntes: Es sieht, wie der Dichter, getrieben von fieberhaftem Schaffensdrang, bis zur Erschöpfung mit seinem Stoff und mit sich selbst ringt, wie er an seinem Tell zweifelt, und wie es ihm schließlich trotz aller Schwierigkeiten auf geniale Weise gelingt, allgemeingültige Wahrheiten in ein Melodram zu verpacken, das seit über 200 Jahren die Menschen in seinen Bann zieht und Hollywood erblassen lässt. Die Texte zu diesen Szenen zu schreiben, war für mich ein großes Vergnügen! |
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Hans Jakob Kast und das Alte Rathaus Gernsbach Szenenspiel aus der Zeit um 1620 |
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1617 begann der sagenhaft reiche Murgschiffer Hans Jakob Kast mit dem Bau eines Palais am Gernsbacher Stadtbuckel. Es ist fast sicher, dass er den berühmten Architekten Johannes Schoch aus Königsbach, Schöpfer des Friedrichsbaus auf dem Heidelberger Schloss, mit der Planung betraute. Schoch schuf ein Meisterwerk im Stil der Spätrenaissance - noch heute als Altes Rathaus ein Glanzpunkt im Stadtbild von Gernsbach. Dennoch zog der Bauherr niemals ein, sondern ließ sich nach Fertigstellung des Hauses in Straßburg nieder. Was hat ihn dazu bewogen?. |
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Diese Frage steht im Mittelpunkt des turbulenten Spiels. Eigentlich will Hans Jakob Kast sein Palais ja in doppelter Größe errichten (wie oben abgebildet). Aber der Bischof von Speyer macht ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Kasts schärftser Konkurrent glaubt nun endlich triumphieren zu können und die neidischen Mitbürger reiben sich schadenfroh die Hände. Die Hauptpersonen des Spiels sind - wie üblich - authentisch. Gespielt wird im Gewölbekeller des Alten Rahthauses, also am “Originalschauplatz” |
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“Erben für Eberstein” (Altstadtfest Gernsbach 2001) Handlung und historischer Hintergrund Anno 1377 droht das Geschlecht der Ebersteiner auszusterben. Der auf Neu-Eberstein residierende Graf Wolf von Eberstein – berühmt-berüchtigt durch seinen dreisten Überfall auf Graf Eberhard von Württemberg im Wildbad anno 1367 und durch seinen legendären Grafensprung – denkt gar nicht daran, eine Frau zu nehmen und Erben zu zeugen. Daher soll nun sein Bruder Wilhelm heiraten, der aber bis dato noch Mönch im Kloster Weißenburg ist. Die Situation ist historisch verbürgt.. |
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Altstadtfest Gernsbach 2001 “Erben für Eberstein”, Szenenspiel nach einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1377 |
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Nicht verbürgt ist der Familienkrach im Hause Eberstein, den man sich allerdings mit ein wenig Phantasie lebhaft ausmalen kann - besonders im Hinblick auf Graf Wolfs eigenwilligen Charakter! Hauen, Stechen, Reiten und Schuldenmachen waren schließlich seine Hauptbeschäftigungen. 1387 verscherbelte er bekanntlich sogar die Hälfte der Grafschaft Eberstein an den Markgrafen von Baden. Graf Wilhelm dagegen war bereits seit 17 Jahren im Kloster. Die historische Überlieferung beschreibt ihn als pflichttreu und gewissenhaft . Man kann sich also gut vorstellen, wie er seinem Bruder Wolf ins Gewissen geredet hat.. |
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