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Beraubt, gekidnappt und fern der Heimat. Die Ebersteiner im 17. Jahrhundert (Teil 1)

Im 17. Jahrhundert betrachteten die Ebersteiner ihre Burg Neueberstein bei Gernsbach nicht mehr als bevorzugten Aufenthaltsort. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges lebten und starben sie mehrfach fern der angestammten Heimat. 1626 ging ihnen wegen der Parteinahme für die evangelische Seite der Besitz zwischen Muggensturm und Forbach außer der Mitherrschaft über die Orte Gernsbach, Scheuern und Staufenberg verloren. Der regierende Graf Hans Jakob II. von Eberstein (1574-1638) wich auf seine Residenz in Lothringen aus, blieb aber auch dort vom Krieg nicht verschont. Beleuchtet wird im folgenden  das Schicksal der Ebersteiner vor dem dramatischen Hintergrund des 17. Jahrhunderts.

Durch Erbschaften waren die Murgtalgrafen zu Besitztümern in Lothringen gekommen, darunter Frauenberg (an der Blies, nahe Sarreguemines, heute direkt an der deutsch-französischen Grenze) und Forbach (französische Stadt nahe der Grenze bei Saarbrücken). Der Besitz im Raum von Mosel und Saar gehörte zum Herzogtum Lothringen, der Ebersteiner war also in Bezug auf diese Güter Lehnsmann (Untergebener) des Herzogs von Lothringen. Die in der Überlieferung „Frauenburg“ genannte Burg über Frauenberg wurde 1633 Schauplatz eines spektakulären Überfalls. Über die Vorgänge gibt eine Akte im Generallandesarchiv Karlsruhe mit Briefen Johann Jakobs II. von Eberstein und seiner Frau Margaretha, einer geborenen Gräfin von Solms-Laubach, Auskunft.

Die Gräfin schildert in bewegenden, höchst dramatischen Worten, was sich am frühen Morgen des 8. Augusts 1633 ereignete: Etwa 60 lothringische Soldaten drangen durch einen Überraschungscoup ins Innere der Burg ein, zerschlugen Türen, Kisten und Schränke, raubten Silbergeschirr, Kleinodien, Geld, Kleidung und andere Wertgegenstände, führten Vieh und Pferde weg und, was das Schlimmste war, rissen den „hertzgeliebten Herrn und Gemahl“ trotz seines hohen Alters und seiner „leibsblödigkeit“ (das Wort bezog sich nach damaligem Sprachgebrauch nicht auf den Geisteszustand, sondern besagte nur, dass der fast 60-jährige Graf körperlich nicht mehr der Fitteste war) „fast nackend“ aus seinem Bett, setzten ihn auf ein ungesatteltes Pferd und verschleppten ihn nach Püttlingen in ihr Quartier und dann weiter nach Nancy. Eine solche schimpfliche Behandlung, so die Briefeschreiberin, sei einem Grafen auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches trotz des seit Jahren herrschenden Krieges nicht widerfahren.

Dabei hatte das Jahr 1632 für die Ebersteiner gut angefangen! Die Schweden waren auf dem Vormarsch, was die Machtverhältnisse auch im Murgtal wieder zugunsten der Protestanten änderte. Hans Jakob und seine Frau hatten aus diesem Anlass sogar einen kostbaren Bettvorhang in Auftrag gegeben, in den ihrer beider Wappen und die Jahreszahl 1632 eingestickt wurde (erstmals ausgestellt 2015 in der Ausstellung „Kunstschätze aus Hohenlohe“ im Stuttgarter Landesmuseum, wir berichteten). Der Ebersteiner verlegte aber dennoch seinen ständigen Wohnsitz nicht wieder ins Murgtal. Wie eine überlieferte Grabinschrift von 1616 verrät, waren drei seiner im Kleinkindalter verstorbenen Nachkommen in Frauenberg begraben, seine ständige Residenz ist also eher dort zu suchen. Außerdem muss es auf Burg Neueberstein wenig einladend gewesen sein. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft schrieb der Graf an den schwedischen Reichskanzler Oxenstierna: Durch die Plünderung hätten er und seine Frau einen Verlust erlitten, der sich in vielen Jahren und wohl „bey unsern Lebtagen“ nicht verschmerzen ließe, weshalb er nun gezwungen sei, seine „Haußhaltung nach Eberstein zu transferieren“. Dort aber, so der Graf, seien die Wohnverhältnisse „sehr klamm und übel“.

Nach etwa zwei Wochen kehrte der Graf nach Hause zurück. Abgesehen von dem erlittenen „Hohn und Spott“ war ihm nichts passiert. Die drastische Berichterstattung seiner Frau entschuldigte er gegenüber Oxenstierna mit deren „Betrübnis, Kleinmütigkeit und Sorgen“. Dabei konnte er stolz auf sie sein: In einer existenzbedrohenden und auch politisch äußerst brenzligen Situation hatte sie genau das Richtige getan.

 

Bild 1a Frauenberg klein

Ehemals Residenz der Ebersteiner: Ruine der Frauenburg am Dorfrand von Frauenberg in Lothringen. 
Foto: Zorn

Albertina Sophia Esther Württemberg Neuenstadt klein

„Verlassen und blöd“, aber nicht dumm. Die Ebersteiner im 17. Jahrhundert (Teil 2)

Hans Jakob II. von Eberstein wurde am 8. August 1633 auf seiner Residenz Frauenburg (bei Sarreguemines) in Lothringen überfallen und gekidnappt . Die Briefe, die er und seine Frau Margaretha als Reaktion darauf an Vertraute und verschiedene Machthaber schrieben, zeigt die komplizierte Großwetterlage im damaligen Europa. Beleuchtet wird im folgenden  das Schicksal der Ebersteiner vor dem dramatischen Hintergrund des 17. Jahrhunderts.

Gräfin Margaretha reagierte erstaunlich besonnen: Bereits zwei Tage später verfasste sie, noch auf der verwüsteten Frauenburg, ein Schreiben an den schwedischen Reichskanzler Graf Axel Oxenstierna, einen der bedeutendsten Staatsmänner des damaligen Europa. Oxenstierna hatte nach dem Tod König Gustav Adolfs 1632 die politische Führung Schwedens übernommen. Sein Ziel war die Zurückdrängung der katholischen Mächte im deutschen Reich und der Aufstieg Schwedens zur Großmacht. Dafür paktierte er mit dem katholischen Frankreich, was letztlich eine Fortführung des Krieges um weitere 16 Jahre mit sich brachte. In Deutschland wollte er die protestantischen Mächte unter seiner Führung gegen den katholischen Kaiser zusammenschließen.

Da Schweden zu diesem Zeitpunkt die einzige Macht war, die den Protestanten im deutschen Reich Schutz bieten konnte, war das Hilfegesuch der Gräfin an Oxenstierna politisch genau richtig. Sie stellte, taktisch nicht dumm, keine bestimmten Forderungen und wies darauf hin, dass sie in ihrem „hochbetrübten erbärmlichen Zustand“ und „als ein verlassenes blödes Weib“ (was im damaligen Sprachgebrauch nichts über den Geisteszustand aussagte, sondern einfach „schwach“ bedeutete) nicht einmal Unterstützung durch ihre Söhne erfahre, da diese gerade im schwedischen Heer dienten. Aus dem späteren Brief ihres Ehemanns an Oxenstierna wird dann die politische Überlegung klar: Der Ebersteiner rechnete in richtiger Vorausschau damit, dass Frankreich über kurz oder lang das Herzogtum Lothringen schlucken würde und bat den mit Frankreich verbündeten Schweden, sich beim französischen König für eine Kompensation der durch den Überfall verursachten Schäden einzusetzen.

In einem weiteren Brief wandte sich Margaretha nach dem Überfall an Herzog Karl IV. von Lothringen, den Lehnsherrn ihres entführten Gatten. Pikanterweise war der Überfall von lothringischen Truppen verübt worden. Margaretha wies darauf hin, dass ihr Gatte sich gegenüber seinem Lehnsherrn nichts habe zuschulden kommen lassen, und bat inständig darum, ihren „hertzlieben alten Herrn und Gemahl“ freizugeben und den entstandenen Schaden zu erstatten. Karl IV. von Lothringen, eine der schillerndsten Gestalten dieser Zeit, stand zwischen dem gegen die Rheingrenze vordringenden katholischen Frankreich unter Ludwig XIII., beziehungsweise Kardinal Richelieu, und den heranrückenden protestantischen Schweden, die mit Frankreich verbündet waren. 1632 fielen Franzosen und Schweden in Lothringen ein, im August 1633 überwältigten französische Truppen das Land. Statt sich mit Frankreich und Schweden zu arrangieren, intrigierte Herzog Karl IV. mit dem habsburgischen Kaiser gegen diese beiden Mächte. War die Plünderung der Residenz eines protestantischen Untergebenen von ihm gewollt? Oder war seine Soldateska einfach aus dem Ruder gelaufen?

Aus dem späteren Schreiben des Ebersteiners an seinen Lehnsherrn lässt sich das nicht eindeutig entscheiden. Herzog Karl zeigte sich als ein undurchsichtiger Landesherr. Der Graf beklagte sich ihm gegenüber, selbst in einer persönlichen Unterredung habe er keinerlei Erklärung über das vorgefallene Unrecht erhalten. Auch seine mehrfachen Bitten um Bestrafung der Täter und Erstattung der Schäden seien nicht erfüllt worden. Daher wolle er sich nun, so Hans Jakob, an den König von Frankreich wenden und sich in dessen Schutz begeben. Dabei hoffe er darauf, dass Ludwig XIII. als ein christlicher König Herzog Karl dazu veranlassen werde, ihm, dem Geschädigten, Wiedergutmachung zu leisten. Der protestantische Graf übte Druck auf den katholischen Herzog aus, indem er mit einem Apell an den katholischen König von Frankreich drohte. Auf die Religion kam es nicht mehr an.

 

Herzog Karl IV. von Lothringen, ein undurchsichtiger Landesherr
Foto: Zorn

Bild 3 Saint-Nicolas Strasbourg klein

Letzte Zuflucht Straßburg. Die Ebersteiner im 17. Jahrhundert (Teil 3)

Hans Jakob II. von Eberstein, 1633 auf seiner Residenz Frauenburg (bei Sarreguemines) in Lothringen überfallen und gekidnappt, wurde ein Opfer der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Herzog von Lothringen. Da ihm auch Neueberstein auf Dauer keinen komfortablen Aufenthalt bieten konnte, wich er nach Straßburg aus. Beleuchet wird im folgenden das Schicksal der Ebersteiner vor dem dramatischen Hintergrund des 17. Jahrhunderts.

Hans Jakobs Frau Margaretha, die nach dem Überfall 1633 so klug reagiert hatte, starb 1635. Der Aufenthalt auf der Residenz Frauenburg wurde aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Herzog von Lothringen immer gefährlicher. Unmöglich war aber auch eine Rückkehr ins Murgtal. Nach der Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 hatten in Gernsbach, Scheuern und Staufenberg wieder die Katholiken das Sagen, also Markgraf Wilhelm von Baden-Baden sowie die Grafen von Gronsfeld und Wolkenstein. Am 2. Dezember 1634 wurde die evangelische St. Jakobskirche geschlossen, im Juni 1637 dort der katholische Gottesdienst eingeführt.

Angesichts der widrigen Umstände begab sich der verwitwete Hans Jakob II. von Eberstein in seine letzte Zuflucht, die freie Reichsstadt Straßburg. Gemäß einem im Landesarchiv Karlsruhe aufbewahrten Dokument starb er dort am 8. April 1638 und wurde am 22. April in der protestantischen „Kirche zu St. Matthis und Nicolai in undis“ (heute Saint-Nicolas, an der Ill im Stadtteil Finkwiller) beigesetzt. Das bestätigten mit Unterschrift und Siegel auf Wunsch von Hans Jakobs Sohn Johann Friedrich zwei verwandte Adlige: Georg von Fleckenstein-Dagstuhl (1588-1644) und Georg Friedrich, Herr zu Rappoltstein (1594-1651). Ersterer war ein Sohn der Anna Alexandria von Fleckenstein (1565-1610, geborene Rappoltstein), der Schwiegermutter des bereits 1609 verstorbenen Grafen Philipp II. von Eberstein (Bruder Hans Jakobs II.). Ihr Grabdenkmal befindet sich im südlichen Seitenschiff der Gernsbacher Liebfrauenkirche.

Für alle drei adligen Familien sind Häuser in Straßburg überliefert: der „Fleckensteiner Hof“ in der Münstergasse (heute Rue du Dôme), der „Rappoltsteiner Hof“ nahe der Thomaskirche und der „Ebersteiner Hof“ in dem Viertel zwischen Münstergasse, Stelzengässchen (heute Impasse des Echasses) und Brandgasse (heute Rue Brûlée). Straßburg war eine Art Nebenwohnsitz der Murgtalgrafen. In diesen unruhigen Zeiten verlangte die Stadt aber von Hans Jakob Schutzgeld dafür, dass er sich in ihren Mauern aufhielt. Immerhin hatte er sich durch sein Paktieren mit Schweden als Feind des katholischen Kaisers erwiesen. 1638 wäre es unmöglich gewesen, ihn in Gernsbach zu bestatten, da die St. Jakobskirche zu dieser Zeit katholisch war. Das änderte sich erst Ende 1638, als die Söhne von Hans Jakob II., Johann Friedrich und Otto Ludwig, von dem zwar katholischen, aber jedem religiösen Fanatismus abgeneigten Kaiser Ferdinand III. rehabilitiert und wieder in die Herrschaft (gemeinsam mit Baden-Baden) über Gernsbach, Scheuern und Staufenberg eingesetzt wurden. Otto Ludwig hatte beim Kaiser Bonuspunkte gesammelt, als er nach der Niederlage der Schweden ins kaiserliche Herr eingetreten war. Er starb 1645 in Pilsen. Johann Friedrich führte die Regierungsgeschäfte, wie es scheint, vorzugsweise von Gochsheim aus, das sich seit dem Mittelalter im Besitz der Ebersteiner befand.

Am 16. April 1642 schickte er von dort aus einen Brief an den Vogt von Bad Liebenzell. Dort war seine unverheiratete Cousine Maria Barbara während einer Kur gestorben. Johann Friedrich ließ den Leichnam abholen in der erklärten Absicht, ihn so lange „in das Gewölb zu stellen“ (also in die Gruft der St. Jakobskirch), bis man auch den verstorbenen Vater Hans Jakob aus Straßburg zurückgeholt habe. Dann könnten, so der Graf, beide gemeinsam beigesetzt werden, was Kosten sparen würde. Ob Hans Jakob tatsächlich nach Gernsbach gebracht wurde, ist unbekannt. Eine Überführung war teuer und das Geld auch beim nächsten Todesfall der Ebersteiner knapp. (Wird fortgesetzt.)

 

 Die Kirche Saint-Nicolas in Straßburg. Hier wurden Hans Jakob II. von Eberstein und später auch seine Schwiegertochter beigesetzt.
Foto: Zorn

Bild 4 Gernsbach St. Jakob Gruft klein

Schlaganfall, Pocken und Geldnot. Die Ebersteiner im 17. Jahrhundert (Teil 4)

Nach 1640 ereilte die Ebersteiner eine Reihe von tragischen Todesfällen. Hans Jakobs II. Sohn Johann Friedrich starb im Februar 1647 mit 36 Jahren an einem Schlaganfall, dessen einzige noch lebende Tochter (zwei Söhne und eine weitere Tochter hatte er bereits verloren) folgte ihm im März, seine etwa gleichaltrige Frau im Juni, der einzige Stammhalter Casimir nur 13 Jahre später. Beleuchtet wird im folgenden das Schicksal der Ebersteiner vor dem dramatischen Hintergrund des 17. Jahrhunderts.

Am 5. Februar 1647 schrieb Johann Ludwig Egger, der ebersteinische Vogt in Gernsbach, an seinen Amtsbruder Johann Niclaus Eisenschmidt, den ebersteinischen Amtmann in Gochsheim, dass Graf Johann Friedrich von Eberstein am Morgen desselben Tages nach einem wenige Tage zurückliegenden Schlaganfall verstorben sei. Gochsheim befand sich seit dem Mittelalter im Besitz der Ebersteiner, ab 1504 als Lehen (geliehenes Gut) des Herzogtums Württemberg. Egger klagte, dass „allhie ganz nichts an Geld beyhanden noch zu versetzen“ sei, und forderte den Kollegen in Gochsheim auf, er solle alles, was bei ihm „vorräthig und uffgebracht kann werden, ohnverzüglich und also bald wohlverwahrt außerschicken und sich damit nicht säumen“.

Darüber hinaus bittet Egger, den schwarzen Rock der Gräfin ebenfalls von Gochsheim nach Schloss Eberstein zu schicken. Diese Umstände legen nahe, dass Johann Friedrich und seine Frau Anna Amalia, eine geborene von Kriechingen (heute Créhange, nahe Sarreguemines) mehr auf ihrem Schloss in Gochsheim als in Gernsbach zu Hause waren. Johann Friedrich sollte in der „undern Kirche zu Gernspach“ (also dem Gewölbe unter dem Chorraum der St. Jakobskirche) beigesetzt werden. Nach dem Tod ihres Mannes im Februar verlor Anna Amalia am 5. März auch noch ihre letzte kleine Tochter. Danach begab sie sich nach Straßburg, wo sie nach kurzer Krankheit vor dem 22. Juni 1647 verstarb. Beigesetzt wurde sie, wie ihr Schwiegervater Hans Jakob, in der Kirche Saint-Nicolas in Straßburg. Die Stadt bat darum, den Leichenzug „wegen jetzigen Geschwärmbs allhie“ (durch den Krieg verursache Unruhen) „nit sosehr in den Abend zu verschieben“. Der Zug wurde organisiert vom Freiherrn Johann Bernhard von Mentzingen, einem führenden Vertreter der Kraichgauer Ritterschaft. Um die rechtlichen Belange kümmerte sich der Anwalt der Ebersteiner, Johann Michel Heintzen, „beeder Rechte Doctor“, in Weißenburg. Nötig waren zwei Särge, wahrscheinlich um den von einem Metallsarg ummantelten Holzsarg in der Kirche abstellen zu können.

Das Fortleben des Hauses Eberstein ruhte am Schluss nur noch auf Casimir, dem überlebenden Sohn Johann Friedrichs und Anna Amalias. Am 6. Mai 1660 heiratete er im Alter von 21 Jahren Maria Eleonora von Nassau-Saarbrücken-Weilburg. Tochter Albertina Sophia Esther wurde am 20. Mai 1661 nach dem Tod des Vaters geboren. Das Haus Eberstein war in männlicher Linie erloschen. Casimir wurde, wie später auch seine Witwe, unter der Sakristei der Pfarrkirche St. Martin in Gochsheim beigesetzt. Als diese Kirche 1689 von den Franzosen niedergebrannt wurde, blieb von den sterblichen Überresten des Paares so gut wie nichts übrig. Tochter Albertina Sophia Esther und ihr Ehemann, Fürst Friedrich August von Württemberg-Neuenstadt, bauten die Kirche neu auf und setzten den Eltern und Schwiegereltern ein heute verschwundenes Denkmal mit einer Inschrift, die in einer Festschrift anlässlich der Einweihung der neuen Kirche 1704 überliefert ist. Danach starb Casimir am 22. Dezember 1660 in Heidelberg an „variolae“ (übliche lateinische Bezeichnung für Pocken), seine Frau Maria Eleonora verblieb bis zu ihrem Tod 1678 im Witwenstand.

Auch Albertina Sophia Esther und ihr Ehemann wurden in der St. Martinskirche in Gochsheim bestattet. Die Gruft unter ihren Grabplatten ist heute nicht mehr zugänglich, im Gegensatz zu der Gruft unter der Gernsbacher St. Jakobskirche. Wie man 1964 bei einer Öffnung feststellte, waren die Särge zerstört. Die verstreuten Knochen wurden nach einer wissenschaftlichen Untersuchung in einem Steinsarg geborgen. Namentlich ließen sie sich nicht zuordnen. In dem schmucklosen, engen Gruftgewölbe gibt keine Inschrift darüber Auskunft , wer hier einst beigesetzt wurde.

 

Gruftgewölbe unter dem Chor der Gernsbacher St. Jakobskirche.
Foto: Zorn

Artikel aus dem BT, 1964

BT 1964 Gruft St. Jakob

© Cornelia Renger-Zorn 1999-2020
letzte Aktualisierung: 2. Februar 2020

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